shift.pt - No Fado for me, please!

Wolfgang und ich waren vom 14.10. bis zum 19.10. in Lissabon/Portugal, um an der Shift-Conference teilzunehmen. Die Shift ist, ähnlich wie die Lift in Genf, eine deutlich von der dänischen Reboot inspirierte Konferenz, die dieses Jahr nach 2006 zum 2. Mal stattfand.

Die Shift war mit ca. 200 Besuchern deutlich kleiner als die letzte Reboot und hatte deutlich mehr einheimische Besucher, so dass unsere mangelhaften Portugiesisch-Kenntnisse uns tatsächlich ein paar Probleme bereiteten. Die Vorträge waren allerdings überwiegend in Englisch, so dass wir zumindest das offizielle Konferenz-Programm ohne Hindernisse genießen konnten.

Die Shift startete am Mittwoch mit einem Workshop-Tag, der für mich mit dem “Creating social interventions with basic wireless technology” von Tijmen Schep begann – ein sehr amüsantes Tagwerk, bei dem mir wieder einmal bewusst wurde, dass es eine sehr anspruchsvolle Aufgabe ist, für ein Problem die aller-, aller-, allereinfachste Lösung zu finden. Zum einen fangen wir schnell an, die technisch interessanteste Lösung zu suchen (“because we can”), zum anderen fällt es uns, die wir ja schließlich mit Recht stolz auf unser technisches Knowhow sind, sehr schwer, uns selbst “runterzuverdummen” (“dumbing-down”). Wenn man das allerdings schafft, dann sind die Ergebnisse um so erstaunlicher.

An den beiden Konferenz-Tagen gab es neben Vorträgen mit Altbekanntem (Reboot lässt grüßen) auch eine Reihe von wirklich inspirierenden Sessions: Tijmens Vortrag über die ideologischen Hintergründe und die gesellschaftlichen Konsequenzen des Ubiquitous Computing, die Experimente von Mark Wubben zum selben Thema, Julian Bleeckers Ideen zu “Diegetic Prototypes” (z.B. HAL, dem Communicator, dem Multitouch-Display aus Minority Report – also im Film ausformulierten Zukunftsvisionen im Gewand von Props), Tara Hunt über Reputation im Netz (“Whuffie”, that is) oder Andy Budd über die User Experience Curve – alles entweder willkommene Bestätigung oder Anregung, Dinge neu zu sehen.

Am wichtigsten aber – neben der Stadt und einem späten Stück Sommer – waren, wie immer, die Gespräche abseits des offiziellen Programms. Am schönsten dabei: Nach einer sehr spontan organisierten Abschluss-Pizza-Party im Portugal-Pavillon der Expo 1998 und einer langen und wilden Ausgehnacht trafen wir tags darauf in der Straßenbahn nach Belem die ganze Truppe von Organisatoren und Speakern wieder. Die Folge, unverhofft, aber umso spannender: Gemeinsamer Tag am Meer, das beste Süßgebäck Portugals, Abendessen beim Brasilianer, neue Einsichten über den deutschen Film und viele neue Kontakte.

Die Abreise am Sonntag dann: schnöde Pflicht.

Belem TowerAm Ende hatte Andy Budd, wieder mal, recht: Den Eindruck, den wir von der Shift mitgenommen haben, prägen der Höhepunkt und der Abschluss des Ganzen. Dass diesmal beides zusammenfiel, ist nicht zuletzt ein Verdienst des wunderbar aufgeschlossenen und kreativen Organisationsteams um Pedro – nochmals Danke dafür!

Kommentare zu diesem Eintrag sind geschlossen.

Jan Krutisch

20. Oktober 2008
0 Kommentare

Tags: ,

Verwandte Artikel