Das war sie also, die elfte reboot in Kopenhagen. Und wie immer: Voller Vorfreude fährt man hin, wird überrascht, verunsichert und bestätigt, und am Ende kommt man verändert zurück. Im besten Sinne, und jedes Jahr anders. Die Frage ist natürlich: Auf welche Weise diesmal?
reboot 11
Diesmal hat mir die reboot den Gefallen getan, meinen Eindruck aus dem letzten Blog-Posting zu bestätigen. Oder anders herum (und weniger egomanisch): Ich habe sehr viele Menschen mit tollen Ideen und bereichernden Anregungen getroffen, die alle aus der Ecke “Wir machen was mit Internet” herauswollen – und die mit dem Internet, aber auch mit Solartechnik, selbstreplizierenden Robotern, Brotbacken und Städtebau die Welt zum Besseren verändern wollen. Und, wie mein Kollege Florian so schön sagt: “Dass so eine teilutopische Ideengemeinschaft eben nicht von Hippie-Trotteln, sondern von erfolgreichen Unternehmern, Freelancern und Wissenschaftlern geschaffen und unterhalten wird, ist für mich das größte Glück.”
Klar, die reboot hatte schon immer mehr im Sinn als Tech-Talk und Nerdismen, und ja: auch die beiden letzten Male war schon der Trend zum gesellschaftspolitischen Diskurs spürbar. Aber so deutlich wie dieses Jahr habe ich es noch nicht erlebt, dass nicht das Web (als Technologie), Social Media (als Trend oder Vision) und die Frage nach dem Nächsten Großen Ding im Mittelpunkt stehen – sondern die wirklich drängenden Fragen nach der Zukunft unserer Gesellschaft, nach einem erfüllenden Lebensentwurf und danach, wie wir ohne Romantizismen und Hippietum an beidem arbeiten können.
Dem einen wird dabei der Technikfokus gefehlt, den anderen der verbliebene Cyberutopismus gestört haben. Und vielen werden die konkreten Aktionen, die wir auf der reboot gesammelt und diskutiert haben, immer noch viel zu abstrakt gewesen sein.
Aber genau darum geht es jetzt: Mit dem, was wir gelernt und geschaffen haben, tatsächliche Veränderung zu bewirken. Das kostet Zeit, Mühe, Lernaufwand und Willenskraft – und geht mithin weder von heute auf morgen noch unter Verleugnung unserer Vorlieben und Nerdismen.
Das Wichtigste dabei: Das Ende der Selbstbezüglichkeit. Anders als bei der re:publica, der deutschen Nabelschau der selbsternannten Digital Natives, kann ich die reboot eben nicht mehr mit “Internet-Typen reden über Internet-Stuff” erklären. Eher mit (und nochmal geklaut bei Florian): “die wahrscheinlich wunderbarste Konferenz der Welt”.
Denn von welcher Konferenz kommt man nach Hause und packt das Entcluttern seiner Besitztümer an, schreibt über das Rebooten von Geschmacksempfindungen, organisiert sich Arbeitsplätze im Ausland und beschließt, das nächste Mal Frau und Kinder mitzubringen?
Das schafft nur die reboot. Bis nächstes Jahr dann! Und: Danke.
(Titelbild von palomar5 via flickr.)

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