Die Zukunft der Arbeit: Coworking Day Hamburg

Immer wieder erleben wir hier bei mindmatters die eng gesteckten Grenzen der klassischen Organisation eines Unternehmens innerhalb fest angemieteter Büroräumlichkeiten: Viel zu wenig Platz, wenn wir zusammen mit Freelancern und Kunden ein besonders aufwändiges Projekt realisieren wollen. Und viel zu viel teurer Büroraum, wenn wir mit einem Entwicklerteam lieber für zwei Monate in Lissabon arbeiten würden, um uns von einem frischen Arbeitsumfeld inspirieren zu lassen.

Auch andere Hamburger haben ähnliche Probleme: Die Freelancer, die sich zuhause nicht mehr davon ablenken lassen wollen, dass noch Wäsche aufgehängt werden könnte und die jungen Startup-Unternehmer, die gerne einmal ihre Ideen mit anderen diskutieren würden, um nicht nur allein im Keller am nächsten großen Ding zu bauen. Die vermeintliche Lösung: Coworking, ein Bürokonzept, in dem viele heterogene Teams und Einzelkämpfer hochflexibel nebeneinander arbeiten.

Grund genug, am vergangenen Freitag den ersten Hamburger Coworking Day ins Leben zu rufen. Schon der Austragungsort ist Ausrufezeichen genug: Die Fabrik im besetzten Gängeviertel ist ein Ort, an dem im Moment ein toter Ort der Hamburger City durch die dort ansässigen Künstler neu definiert und diskutiert wird. Schnell hat sich gezeigt, dass der Pragmatismus der Organisatoren vor Ort und der Geist eines innovativen mittelständischen Unternehmens ohne Reibungsverluste auf einen Punkt zu bringen ist. Wer bei Hausbesetzungen an betrunkene Punks mit viel Sendungsbewusstsein und wenig Inhalt denkt, der sollte dringend das Gängeviertel besuchen, um innovative Stadtplanung und privat organisierte Kunstförderung auf hohem Niveau zu erleben.

Coworking wird aktuell in diesen Räumen gelebt, auch wenn die meisten Künstler das Wort noch nie gehört haben. Und natürlich sind die Ansprüche an ein Coworking-Umfeld je nach Berufsgruppe auch etwas anders: Die Kopenhagenerin Tina Theilgaard führte in ihrer Präsentation durch La Oficina, einen Coworking-Space, der eher an einen britischen Gentlemen‘s-Club erinnert. Kein Wunder also, dass hier sogar eine Opernsängerin ihre Geschäfte führt, die sich in den ungeheizten Gemäuern des Gängeviertels eventuell noch nicht heimisch fühlen würde.

Christoph Fahle, einer der Mitgründer des Berliner Betahaus, zeigte im Anschluss einen etwas anderen Ansatz: Kahlere Räume, die sehr puristisch eingerichtet etwas weniger Nestwärme ausstrahlen ziehen auch Berliner an, die nicht unbedingt einen Community-Anschluss suchen. Nichtsdestotrotz erwähnte Christoph mehrfach die philosophischen Übereinstimmungen mit Tina in der Grundstruktur – es scheint eine Art Coworker-Spirit zu geben, der ortsunabhängig existiert.

In den anschließenden Workshops ging es dann ans eingemachte: Von Finanzierung über Vorbilder bis hin zu konkreten Events wurde die Zukunft des Hamburger Coworking diskutiert. Die ca. vierzig Teilnehmer, rangierend von der erfahrenen Unternehmerin bis hin zum Popmusiker, konnten sich im Anschluss auf einen Weg in die Zukunft einigen: Mit Veranstaltungen, einem wöchentlichen Coworking Friday in den Räumlichkeiten von mindmatters und einer mixxt-Community wird das Thema nicht aus unserem Alltag verschwinden. Hallo Zukunft – Wir mögen Dich schon jetzt.

foto von arne bratenstein

Kommentare zu diesem Eintrag sind geschlossen.

Florian Siepert

28. September 2009
0 Kommentare

Tags: , , , , ,

Verwandte Artikel