So war's, und so wird's

Anfang letzten Jahres habe ich hier ein paar recht abstrakte Prognosen für 2009 gewagt, und siehe: Die Welt hat sich daran gehalten. Mal sehen, ob uns das dieses Jahr wieder gelingt.

Klein vs. groß revisited

Vor einem knappen Jahr habe ich ein Loblied auf die Kleinen gesungen und auf die Nischen und Ränder, in und an denen Innovation entsteht. Als ich von Freelancer-Netzwerken sprach, kannte ich den Begriff Coworking noch nicht, und als ich manch großem Unternehmen die ehrliche Suche nach Innovationskultur attestierte, wusste ich noch nichts von Palomar5 und deren Sponsor.

Dann kamen: die re:publica 09, die Reboot 11, der Coworking Day Hamburg, das Palomar5 Innovation Camp und der Coworking Day Deutschland. Und alles wurde wahr: Neue Formen der Zusammarbeit erleben ihren (Deutschland-) Urknall, die interessantesten Menschen der Welt treffen sich, um mit Geld der Großen über die Zukunft nachzudenken, und wir sind mittendrin.

Die Krise als Katalysator

Natürlich haben auch wir zur Mitte des Jahres das Ruckeln der Konjunkturkutsche gespürt, und wohl war uns nicht immer dabei. Aber nicht nur haben wir die Holperstrecke erfolgreich gemeistert, sondern wir haben auch gemerkt, dass die Krise bei vielen Gesprächspartnern alte Zöpfe abgeschnitten und neue Sichtweisen ermöglicht hat. Raus aus großen Agenturen, Dinge tun, von denen man wirklich überzeugt ist, alte Sicherheiten verabschieden und Neues ausprobieren – das letzte Jahr hat mehr in den Köpfen bewegt, als ich zu seinem Beginn gedacht hätte.

MicroApps

“Klein ist gut” und “einfach mal machen” geht natürlich auch bei Web-Applikationen: Nachdem wir schon 2007 mit soundbadge.net in 48 Stunden eine komplette Anwendung entwickelt hatten, haben wir 2009 ernsthaft mit der Produktion von MicroApps begonnen.

MicroApps sind für uns:

  • Web-Applikationen mit einem sehr speziellen Fokus, einem klaren Nutzen für den Benutzer und einer streng begrenzten Funktionalität,
  • die wir in durchschnittlich 3 Stunden bis 3 Tagen entwickeln und veröffentlichen.

So entstanden dieses Jahr der Mittagsplaner, echonest.streamgraphing.org, Zoccer, Idealise, ahumanright.org, Twishlist und die Glühweinmob-App. Und was sollen wir sagen: Alle laufen sie wie geschmiert (naja – meistens), und alle machen sie Spaß.

Demokratisierung durch Einfachhheit

So etwas geht natürlich nur mit den passenden Werkzeugen. Ohne Rails z.B. oder Catapult hätten wir keine der Apps schreiben können – und mit diesen Tools können das viel mehr Menschen als je zuvor tun. Man braucht heute weder ein Großprojekt noch codende Halbgötter, um nützliche Software bauen zu können – und mit den Ressourcen, die für letztere durch die besseren Werkzeuge frei werden, können sie anfangen, interessantere Dinge zu tun.

Nachmachen ist langweilig

Unter anderem deshalb merken offenbar auch immer mehr “was mit Internet”-Menschen in Deutschland, dass es noch nicht das Ende der Fahnenstange sein kann, Ideen zu kopieren, die sich in de USA bewährt haben. Dass an der Rede vom Internet-Entwicklungsland Deutschland schon etwas dran ist, und dass man etwas dagegen tun sollte. Und dass man das auch kann: Wirklich kreative Köpfe gibt es auch hier genug, Geld ist ja offenbar auch da – jetzt kommt es darauf an, beide in einer Kultur zusammenzubringen, für die man sich durchaus das Valley, Y Combinator oder das Seedcamp zum Vorbild nehmen darf.

Und jetzt?

Wenn ich nicht völlig falsch liege, heißt das für 2010:

  • Coworking wird noch größer. Die Dresdner fangen erstmal klein an, Leipziger haben gestern ihren Mietvertrag unterschrieben, die Stuttgarter stehen in den Startlöchern, und wir haben nach fruchtbaren Gesprächen in den letzten Tagen nun auch für Hamburg einen ganz konkreten Realisierungsplan. Mehr dazu in Kürze.
  • Software-Entwicklung wird noch schneller und interessanter, weil wir genügend Werkzeuge, Daten und Erfahrungen gesammelt haben, um uns auf das inhaltlich Spannende konzentrieren zu können.
  • Zwischen Coworking und reibungslosem Projekt-Kickstarten ist Platz für neue Formen der Ideen- und Projektfinanzierung, für eine andere Startup-Kultur als die der Me-toos. Wir jedenfalls arbeiten schon mal an unserem Beitrag dazu.

mindmatters wird sich deswegen auch 2010 weiterentwickeln, vielleicht sogar weiter als in manch anderem Jahr. Wir danken allen Partnern, Freunden und Kunden für ein spannendes und (trotz Krise) erfolgreiches 2009, und freuen uns darauf, euch 2010 auf eine spannende Reise mitzunehmen!

(Photo von Balakov via flickr)

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